GRENKE Chess Classic
15. - 22. April 2017
  • Maxime Vachier-Lagrave
    Maxime Vachier-Lagrave

    Name: Maxime Vachier-Lagrave
    Alter: 26
    Nation: Frankreich
    Weltrangliste: Nr. 5

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  • Matthias Blübaum
    Matthias Blübaum

    Name: Matthias Blübaum
    Alter: 19
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 148

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  • Fabiano Caruana
    Fabiano Caruana

    Name: Fabiano Caruana
    Alter: 24
    Nation: USA
    Weltrangliste: Nr. 3

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  • Georg Meier
    Georg Meier

    Name: Georg Meier
    Alter: 29
    Nation: Deutschland
    Weltrangliste: Nr. 154

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  • Magnus Carlsen
    Magnus Carlsen

    Name: Magnus Carlsen
    Alter: 26
    Nation: Norwegen
    Weltrangliste: Nr. 1

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  • Levon Aronian
    Levon Aronian

    Name: Levon Aronian
    Alter: 34
    Nation: Armenien
    Weltrangliste: Nr. 9

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  • Arkadij Naiditsch
    Arkadij Naiditsch

    Name: Arkadij Naiditsch
    Alter: 31
    Nation: Aserbaidschan
    Weltrangliste: Nr. 41

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  • Hou Yifan
    Hou Yifan

    Name: Hou Yifan
    Alter: 23
    Nation: China
    Weltrangliste: Nr. 110

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Kampfschach zum Abschluss

Zum Abschluss der GRENKE Chess Classic boten die Spieler ein großes Spektakel. Obwohl der Turniersieger feststand, kämpften alle Akteure um den vollen Punkt. Erstaunlicherweise endeten aber alle Partien remis. Eine wahre Achterbahnfahrt erlebten Fabiano Caruana und Levon Aronian, der zwischendurch riesigen Materialvorteil hatte. Magnus Carlsen besaß einen starken Freibauern gegen Maxime Vachier-Lagrave, den er aber nicht zum Sieg nutzen konnte. Georg Meier hatte ebenfalls leichten Vorteil gegen Matthias Blübaum, ließ aber ein Dauerschach zu. Letztendlich teilten sich Hou Yifan und Arkadij Naiditsch nach einer interessanten Partie auch den Punkt.

Wie in den Runden zuvor gelang es Levon Aronian seinen Gegner in der Eröffnung zu überraschen. In einer Italienischen Partie startete die Nr. 9 der Weltrangliste eine Umgruppierung seines Springers über d7 nach b6. Das brachte Caruana schon sehr früh ins Grübeln und Aronian Zeitvorteil auf der Uhr. Während der amerikanische Großmeister nachdachte, drehte Aronian eine Runde nach der anderen um die Bretter.


Aronian geht spazieren

Objektiv konnte Caruana ausgangs der Eröffnung mit seiner Stellung zufrieden sein, denn er besaß Raumvorteil. Allerdings verbrauchte er sehr viel Zeit und nach einem Bauernopfer fand er nicht den richtigen Weg, um seine Kompensation besser auszuspielen. Stattdessen patzte er fürchterlich und stellte seinen Springer in gegnerisches Territorium, woraus der Rössel nie wieder raus fand und sich für zwei kümmerliche Bauern opfern musste. "Das war eine fürchterliche Partie heute", kommentierte Caruana dementsprechend seine Leistung.

Die Nr. 3 der Welt kämpfte mit Minusfigur weiter und schaffte es sogar sich eine neue Dame mit Schach zu holen. Allerdings wandelte Aronian auch einen Bauern in einen neue Dame um und besaß mit Turm und Springer mehr einen riesigen Materialvorteil. Da sein König gefährdet stand, fing er plötzlich an nachzudenken, um keine böse Überraschung zu erleben. Nach unendlich erscheinenden 49 Minuten machte er einen Zug, wonach sich die Stellungsbewertung von total gewonnen zu leicht schlechter dramatisch änderte.

Caruana nutzte seine Chance und jagte den schwarzen König. Aronian musste seine Dame geben, aber mit zwei Türmen und Springer gegen Dame und zwei Bauern besaß er genügend Material, um die Partie letztendlich zu retten. "Ich bin mit der heutigen Partie natürlich nicht zufrieden. Mit dem Materialvorteil musste ich gewinnen", so Aronian während der Pressekonferenz.


Fabiano Caruana und Levon Aronian erlebten zum Abschluss eine Achterbahnfahrt

Georg Meier und Matthias Blübaum beendeten das Turnier mit einem Unentschieden und jeweils 2,0 Punkten auf den letzten Plätzen. Meier eröffnete die Partie mit 1.e4 und überraschte Blübaum mit einer seltenen Variante der Caro-Kann Verteidigung. "Das ist eine Idee von Levon Aronian, die er vor zwei Jahren spielte", klärte Meier den Sachverhalt in der Pressekonferenz auf. Beide Spieler rochierten ihre Könige auf die lange Seite und Meier besaß eine leichte Initiative gegen den schwarzen König.


Georg Meier testete eine Idee Aronians

Der 29-jährige Trierer gewann gegen seinen Nationalmannschaftskollegen sogar einen Bauern und hätte einen kleinen Vorteil festhalten können. Stattdessen ließ er aber Gegenspiel zu, das Blübaum nutzte, um mit einem Dauerschach die Partie zu beenden.


Meier und Blübaum rücken vor Beginn der Partie die Figuren zurecht

Magnus Carlsen und Maxime Vachier-Lagrave teilten sich ebenfalls den Punkt. Der Weltmeister ging gegen die Najdorf-Variante mit Kontrolle des Feldes d5 streng positionell vor und stellte dort einen Springer auf. Vachier-Lagrave musste ihn irgendwann schlagen, wonach die Bauernstruktur sich veränderte. Carlsen besaß eine Mehrheit am Damenflügel und konzentrierte dementsprechend seine Kräfte auf dieser Seite des Brettes.

Er schaffte es einen starken Freibauern auf der d-Linie zu bilden und besaß Vorteil. Aus dem Freibauern auf der d-Linie wurde einer auf der c-Linie. Erstaunlicherweise war der Bauer hier weniger gefährlich. Vachier-Lagrave schaffte es seine Kräfte zu optimieren und das entstandene Endspiel problemlos zu halten. "Das Turnier war insgesamt etwas zu kurz. Ich bin letztendlich weder mit meinem Resultat noch mit meinem Spiel zufrieden", äußerte sich der Weltmeister im Anschluss.


Patrick Bittner (1. Vorsitzender OSG Baden-Baden) führt den ersten Zug der Partie Carlsen - Vachier-Lagrave aus

Hou Yifan und Arkadij Naiditsch spielten eine sehr interessante Partie. Der für Aserbaidschan startende Großmeister wählte die Französische Verteidigung. Nach dem Damentausch entstand ein typisches Endspiel, in dem Schwarz seinen schlechten Läufer tauschte, dafür aber einen Doppelbauern in Kauf nehmen musste. In der Folge opferte Naiditsch die Qualität für Springer, Bauer und Aktivität.

Das Spiel entwickelte sich auf logische Weise. Die Chinesin öffnete die Stellung am Königsflügel für ihre Türme, doch nach dem Tausch zahlreicher Bauern und eines Turmes einigten sich die Spieler in ausgeglichener Stellung auf remis.


Hou Yifan und Arkadij Naiditsch kurz vor Beginn ihrer Partie

Im Anschluss an die Partien wurden die Teilnehmer und Sieger der GRENKE Chess Classic 2017 geehrt. Die Organisatoren zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung und den Besucherzahlen. Insbesondere das Zusammenlegen mit dem GRENKE Chess Open war ein kluger Schachzug, wie die Teilnehmerzahl von über 1200 Spieler bewies. Damit ist das GRENKE Chess Open das derzeit größte offene Turnier der Welt. Mit der GRENKE Chess Classic wird es definitiv weitergehen. In welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt wird zu gegebener Zeit bekanntgegeben.


vlnr.: Sven Noppes (Turnierdirektor), Fabiano Caruana, Levon Aronian, Magnus Carlsen, Christian Bossert (1. Vorsitzender Schachzentrum Baden-Baden)

Abschlusstabelle GRENKE Chess Classic 2017

Rangliste: Stand nach der 7. Runde 
RangNr.TeilnehmerTWZ12345678PunkteSiege
1. 1. Aronian, Levon 2774 ** ½ ½ 1 1 1 1 ½ 5.5 4
2. 2. Caruana, Fabiano 2817 ½ ** ½ 1 0 ½ ½ 1 4.0 2
3. 3. Carlsen, Magnus 2838 ½ ½ ** ½ ½ ½ ½ 1 4.0 1
4. 4. Naiditsch, Arkadij 2702 0 0 ½ ** ½ 1 1 ½ 3.5 2
5. 5. Hou, Yifan 2649 0 1 ½ ½ ** 0 ½ 1 3.5 2
6. 6. Vachier-Lagrave, Maxime 2803 0 ½ ½ 0 1 ** 1 ½ 3.5 2
7. 7. Bluebaum, Matthias 2634 0 ½ ½ 0 ½ 0 ** ½ 2.0 0
7. 8. Meier, Georg 2621 ½ 0 0 ½ 0 ½ ½ ** 2.0 0

Falls Sie Lust haben, können Sie sich nochmal die Livekommentierung von Peter Leko und Jan Gustafsson zu Gemüte führen. In der letzten Runde war Caruanas Sekundant, Rustam Kasimdzhanov, zu Gast.

Die Partien im pgn-Format finden Sie unter diesem Link, Fotos zum Event hier.